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Migration als Beitrag zur Entwicklung des Südens

Susanne Thieme, NFS Nord-Süd, Development Study Group, University of Zürich

Cirka 5 % der Bevölkerung Nepals arbeitet ausserhalb des Landes. Den Arbeitsmigrierenden mangelt es sowohl an Informationen über alternative Arbeitsmöglichkeiten im Ausland als auch über Chancen und Risiken, die mit einem Aufenthalt im Ausland verbunden sind. Ein Radioprogramm in Nepal und eine Organisation nepalesischer Migranten in Indien tragen zur Beseitigung dieser Informationsdefizite bei.

Rund 200 Millionen Menschen der globalen Bevölkerung  arbeiten im Ausland. Ihre Geldtransfers sind ein wichtiger Beitrag zur Unterstützung ihrer Familien und zur Entwicklung ihrer Heimat. Diese Gelder machen gegenwärtig mehr als das Doppelte der weltweiten Entwicklungsausgaben aus. Auch Nepal hängt wirtschaftlich stark von Arbeitsmigration vor allem nach Indien, Südostasien und in die Golfstaaten ab. Die Arbeitskräfte selbst arbeiten und leben im Ausland jedoch oft unter prekären Umständen.

Forschungsprojekt
Gemeinsam mit Partnern im NCCR Nord-Süd forscht die Development Study Group Zürich in den Ländern Nepal, Indien, Pakistan und Kirgistan zum Thema Arbeitsmigration. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Organisation von Migration, Fragen zu den Arbeitsbedingungen in den Zielländern, zu den Verbindungen zwischen Herkunfts- und Zielland, sowie zu der Rückkehr von Migrierenden.

Erzielte Resultate
Migranten und Migrantinnen fehlt es an Informationen über Arbeitsmöglichkeiten im und Reisebestimmungen ins Ausland. Einmal im Ausland angekommen, kennen sie ihre Rechte und Pflichten und potentielle Anlaufstellen bei Problemen kaum. Unsichere Reisebedingungen, fehlende gezielte Vorbereitung für das Ausland, Illegalität und prekäre Arbeitsbedingungen behindern die persönliche Weiterentwicklung der Migrierenden und die Investitionen von Rimessen. Aufgrund fehlender Zukunftsperspektiven wird oft kurz nach der Rückkehr nach Nepal immer wieder migriert. Kommt es dennoch zur definitiven Rückkehr, erfolgt diese häufig in die Hauptstadt des Heimatlandes, was ländliche Strukturdefizite verstärkt.

Umsetzung der Forschung
Um die bisher meist vernachlässigten Bedürfnisse der Migrierenden bewusst in den Vordergrund zu stellen, wurden die Forschungsergebnisse in zwei NCCR Nord-Süd finanzierten Projekten (PAMS – Partnership Actions for Mitigating Syndromes of Global Change) umgesetzt. Dies waren ein Radioprogramm in Nepal und eine Migrantenorganisation in Delhi.

Radioprogramm „Pourakhi“ in Nepal
Das Nepal Institute for Development Studies und die Women Migrants Association „Pourakhi“ haben im Jahr 2003 das gleichnamige landesweite Radioprogramm „Pourakhi“ initiiert. Jeden Sonntag werden hier über den nationalen Radiosender „Radio Nepal“ Informationen rund um das Thema Arbeitsmigration ausgestrahlt. Berichtet wird zum Beispiel über offene Arbeitsstellen, Reisemöglichkeiten oder Kontaktadressen in den jeweiligen Destinationen. Das Radioprogramm gilt mittlerweile landesweit als eine wichtige und beliebte Informationsquelle. Nach Nepal zurückgekehrte Migranten und Migrantinnen etablierten Hörerclubs. Viele von ihnen engagieren sich bei der inhaltlichen Mitgestaltung des Radios und berichten von ihren Erfahrungen im Ausland.  Seit Abschluss der NCCR Nord-Süd Finanzierung (2007) wird das Programm von Danish Church Aid finanziert. Die Deckung der hohen Sendeplatzkosten bleibt nach wie vor die grösste Herausforderung für das Fortbestehen des Radioprogramms.

(Foto: Moderationsteam des Radio Pourakhi in Nepal. Pourakhi, 2004Foto: Moderationsteam des Radio Pourakhi in Nepal. Pourakhi, 2004

 

Migrantenorganisation in Delhi, Indien
In Zusammenarbeit mit dem South Asia Study Center wurde in Delhi eine Organisation für Migranten initiiert. Die vorrangig aus Far West Nepal stammenden Migranten arbeiten in Delhi vor allem als Nachtwächter. Im Jahr 2005 gründeten sie auf eigenen Wunsch eine Organisation mit ca. 500 Mitgliedern. Diese Plattform ermöglicht eine bessere Vernetzung der informell und weit über die Stadt verstreut arbeitenden Nachtwächter. Die Organisation bietet Hilfestellungen bei Problemen auf der Arbeit wie Unfällen und ausstehenden Lohnzahlungen. Gleichzeitig werden aber auch Freizeitaktivitäten organisiert.

Der Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis und die Umsetzung des Projektes war ein wichtiger Lernprozess für alle involvierten Projektpartner und -partnerinnen. Das Projekt wurde während zweier Jahre (2003-2005) durch das NCCR Nord-Süd finanziert. Seither basiert die Migrantenorganisation vor allem auf ehrenamtlicher Arbeit.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Arbeitsmigration ist eine wichtige Einkommensquelle für viele Menschen in Nepal. Prekäre Arbeitssituationen im Ausland hindern die Migrierenden jedoch daran, das Potential von Migration voll auszuschöpfen. Zivilgesellschaft und Politik müssen gemeinsam Chancen und Risiken der Migration und Lösungsmöglichkeiten erörtern.
  • Für einen fruchtbaren und konstruktiven Austausch zwischen Forschung und Praxis bedarf es beidseitigem Interesse. Alle Beteiligten müssen aktiv aufeinander zugehen. Ziele eines gemeinsamen Projektes müssen transparent kommuniziert und die Rollen bei der Planung und Umsetzung klar verteilt werden.
  • Besonders das Format eines Radioprogrammes für und von Migrierenden könnte in anderen regionalen Kontexten umgesetzt werden. Jedoch bedarf es auch hier einer sehr engen und auf breitem Interesse abgestützten Zusammenarbeit aller Beteiligten. Zur Etablierung eines Radioprogramms braucht es ausserdem politische Medienfreiheit. 

 

Involvierte Partner

  • Development Study Group Zurich, Forschungsgruppe am Institut für Geographie, Universität Zürich, Schweiz mit den Forschungsschwerpunkten Lebensunterhaltssicherung, Zugang zu natürlichen Ressourcen, Migration (Kontakt Schwerpunkt Migration: susan.thieme@geo.uzh.ch) http://www.geo.uzh.ch
  • Nepal Institute for Development Studies (NIDS), Nichtregierungsorganisation in Kathmandu, Nepal mit Arbeitsschwerpunkten Migration, soziale Sicherheit und Landreform in Nepal (Kontakt Ganesh Gurung, nids@mail.com.np) http://www.nids.org.np/
  • Women Migrants Association „Pourakhi“, Organisation von (ehemaligen) Migrantinnen in Nepal (Kontakt über nids@mail.com.np)
  • South Asia Study Center (SASC), Nichtregierungsorganisation in Delhi, Indien (Kontakt: Raju Bhattrai, rajubhattrai@gmail.com)