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Entscheidungen verstehen: Warum wenden Kleinbauern in Sri Lanka nachhaltige Produktionsverfahren an?
Martijn Sonnevelt, Institut für Umweltentscheidungen / Agrarwirtschaft, ETH Zürich, msonnevelt@ethz.ch
Die globale Nahrungsmittelversorgung ist neben den Versorgungsproblemen und dem Klimawandel stark von der Landdegradation bedroht, die durch hohe Bevölkerungsdichten vor allem in Süd-Ost-Asien noch verstärkt wird. Neben dem Rückgang der Bodenfruchtbarkeit führt Degradation durch eine Schädigung der Bodenstruktur langfristig zu Erosion.
Die Böden in der Untersuchungsregion Meegahakivula im srilankerischen Hügelland sind aufgrund von Topographie, Übernutzung und den Anbau nicht angepasster Kulturen hochgradig degradiert. Die erlittenen Ertragsrückgänge zusammen mit den klimatisch ungünstigen Voraussetzungen (lange Trockenzeit) stellen die Bauern vor grosse Probleme für den Lebensunterhalt ausreichende Erträge zu erwirtschaften. Vor einigen Jahren wurde die Kultivierung von Gliricidia sepium aufgrund einer privaten Initiative, dem Sustainable Agricultural Development Program (SADP) angeregt. Ziel dieser Initiative ist es die Lebensbedingungen der Kleinbauern zu verbessern. Gliricidia ist ein Leguminosenstrauch dessen Blätter in frischer oder kompostierter Form in den Boden eingearbeitet werden. Neben der Einführung des Gliricidiaanbaus zur Verbesserung der Produktionsgrundlage Boden wurde eine Intensivierung der Gartenproduktion zur verbesserten Versorgung der Haushalte mit Nahrungsmittel angeregt.
Unser Forschungsprojekt versucht zu verstehen, welchen Einfluss die Applikation von Gründünger auf den Boden, die Erträge und das Einkommen hat und warum die Bauern die Gründüngung anwenden.
Unser Forschungsprojekt – eine interdisziplinäre Zusammenarbeit
Forschungsgruppen der University of Peradeniya, Sri Lanka, dem Asian Institute of Technology, Bangkok und der ETH Zürich arbeiten in drei thematischen Komponenten, die alle eine Doktorarbeit und jeweils mindestens eine Master- bzw. Bachelorarbeit beinhalten. Im agronomischen Teil werden die messbaren Wirkungen der Gründüngung auf die Qualität des Bodens und die Erträge von Mais und Mungobohnen untersucht.
Wir, in der Gruppe Agrarwirtschaft, untersuchen die sozioökonomischen Folgen der Gliricidianutzung und den Grund warum die Familien sich für diese Produktionsweise entscheiden. Mit anderen Worten sind wir an den Auswirkungen des Gliricidiaanbaus und der Intensivierung der Hausgärten auf die finanzielle Situation und den Selbstversorgungsgrad der Haushalte interessiert. Dazu werden über ein Jahr die Produktions- und Konsummuster der Haushalte erhoben um so die verschiedenen Haushalte zu charakterisieren. Zusammen mit Interviews zu den Zielen der Bauern und ihrer Wahrnehmung von Bodenqualität zum einen und den Nutzen von Gliricidia zur Verbesserung der Bodenqualität zum anderen, bilden diese Informationen den Hintergrund um die Produktions- und Marketingbezogenen Entscheidungsprozesse in den Haushalten zu verstehen. Vor allem durch die Erhebung der Ziele der Bauern erhoffen wir uns ein tieferes Verständnis über ihre strategische Ausrichtung zu erlangen um so den Handlungsspielraum der Haushalte zu erfassen. Wir gehen davon aus, dass Massnahmen von Aussen, zum Beispiel in Form von Entwicklungsprojekten, nur dann erfolgreich sind, wenn sie mit den Erwartungen und Handlungsspielräumen der Begünstigten übereinstimmen. Resultate der agronomischen und sozioökonomischen Komponenten fliessen in ein Geoinformationssystem (GIS) zusammen. Das GIS soll Entscheidungsträgern und Forschern dazu dienen die integrierten agronomischen sozioökonomischen Zusammenhänge unter den gegebenen topographischen Bedingungen besser zu verstehen.
Erwartete Resultate
Das Projekt dauert noch bis Ende 2009. Erste Resultate zeigen, dass die Gründüngung den Nährstoffgehalt des Bodens und dessen Struktur durch Erhöhung des Anteils organischer Substanz verbessert. Durch die Feldversuche im agronomischen Teil konnte den Bauern gezeigt werden, dass die Einarbeitung von Gliricidiablätter einen positiven Einfluss auf die Erträge hat. Aus den Interviews lässt sich schliessen, dass die vom SADP zur Verfügung gestellten Unterstützungsleistungen (wie gratis Setzlinge und Beratung) wichtige Triebkräfte für die Integration von Gliricidia in das Produktionssystem sind.
Was die Bauernfamilien von unserer Forschung profitieren können
Die Resultate unseres Forschungsprojektes fliessen in die Evaluation und weitere Planung der Organisatoren des SADP ein. Das SADP wurde in Sri Lanka in acht verschiedenen Regionen im Rahmen von Pilotprojekten gestartet. Geplant ist, dass das Programm mit staatlicher Unterstützung ausgeweitet wird. Die Bauern haben die Möglichkeit von den Resultaten der Feldversuche direkt zu profitieren indem sie sehen welche Erträge unter optimalen Düngungsbedingungen möglich sind. Von den sozioökonomischen Befragungen lässt sich kaum ein direkter Nutzen für die Bauern in Meegahakivula ableiten. Die verschiedenen Interviews und Gespräche dürften aber Prozesse der Reflexion bei den Bauern ausgelöst haben.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Kleinbauern sind aufgrund ihres limitierten Zugangs zu Land und Krediten besonders anfällig, da es ihnen kaum möglich ist mit Hilfe von mineralischen Düngern oder einer Fruchtfolge mit integrierter Brache einen nachhaltigen Nährstoffgehalt im Boden aufrecht zu halten.
- Interdisziplinäre Forschung, wie unser Beispiel zeigt, kann helfen Probleme systematischer und ganzheitlicher anzugehen und so einfacher sowohl negative wie auch positive Zusammenhänge zu erkennen.
- Die Bestimmung von Faktoren, die eine Integration von nachhaltigen Produktionsverfahren in den Produktionsprozess fördern, sowie die Beschreibung der Entscheidungsprozesse können Projektverantwortlichen in Zukunft helfen, besser geeignete und akzeptierte Massnahmen zu entwerfen und in neuen Projekten einzuführen.
Partnerinstitutionen
Das Projekt findet unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Stamp, Institut für Pflanzenwissenschaften an der ETH Zürich statt und wurde vom Nord-Süd-Zentrum der ETH Zürich finanziell unterstützt. Jede disziplinäre Komponente wird je von einem Professor an der ETH und an der Universität Peradeniya respektive am Asian Institut of Technology betreut.
Agronomie: Prof. Dr. Peter Stamp, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich, Projektleiter
Prof. Dr. U.R. Sangakkara, Institute of Plant Sciences, University of Peradeniya, Sri Lanka
Doktorand: Hr. C. Egodawatte (MSc. Peradeniya, Sri Lanka)
Photogrammetrie:
Prof. Dr. Armin Grün, Institut für Photogrammetrie und Geodäsie, ETH Zürich
Prof. Dr. Lal Samarakoon, Asian Institute of Technology, Bangkok, Thailand
Doktorand: Hr. K.R.M.U. Bandara (MSc. International Institute for Geo Information Science and Earth Observation, The Netherlands)
Agrarökonomie:
Prof. Dr. Bernard Lehmann, Institut für Umweltentscheidungen, ETH Zürich
Prof. Dr. Cyril Bogahawatte, Institute for Agricultural Economics University of Peradeniya, Sri Lanka
Doktorand: Hr. M. Sonnevelt (Dipl. Ing. Agr. ETH)
Kontakt:
Projektleiter: Prof. Dr. Peter Stamp peter.stamp@ipw.agrl.ethz.ch
Projektkoordinator: Martijn Sonnevelt: msonnevelt@ethz.ch

Die Feldversuche wurden unter Einbezug der Landwirte durchgeführt, dies führt dazu, dass die Landwirte die Effekte der unterschiedlichen Düngungsvarianten direkt beobachten können

Resultate aus den Feldversuchen und den Interviews werden unter Berücksichtigung der topographischen Gegebenheiten analysiert

Gliricidia Sträucher werden oft in Form von Hecken entlang der Felder angebaut
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