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Umsetzungsgrenzen von Waldforschungsergebnissen in Kirgistan

Maik Rehnus, Groupe de foresterie pour le développement, ETHZ, maik.rehnus@env.ethz.ch

Seit acht Jahren werden erfolgreich multifunktionale Bewirtschaftungsmethoden in den Walnuss-Fruchtwäldern Kirgistans entwickelt und dennoch können die Resultate derzeit nicht grossflächig umgesetzt werden.

Im Süden Kirgistans wachsen weltweit einzigartige Walnuss-Fruchtwälder, welche aus Walnussbäumen (Juglans regia L.) und anderen fruchttragenden Gehölzarten (Apfel-, Birn-, Zwetschgen- und Wildrosenarten) gebildet werden. Heute erstrecken sich diese auf eine stark reduzierte Fläche von maximal 40'000 ha. Für deren zukünftigen Erhalt, wurde die multifunktionale Nutzung dieser Wälder durch die kirgisische Regierung geregelt. Derzeit ist die nachhaltige Nutzung dennoch nicht gesichert und es muss die Wirksamkeit der getroffenen Schutzmassnahmen hinterfragt werden, da die Walnuss-Fruchtwälder eine hohe ökologische und ökonomische Bedeutung für die waldnahe Bevölkerung besitzen. Die Walnuss-Fruchtwälder werden aber auch als „biodiversity-hotspots“ mit internationaler Bedeutung bezeichnet, denn hier sind ursprüngliche Formen vieler domestizierter Baumarten zu finden.

ORECH-LES (russ. Walnuss-Wald)
Seit dem Jahr 2001 beschäftigt sich das kirgisisch-schweizerische Forschungsprojekt ORECH-LES mit der Entwicklung multifunktionaler Bewirtschaftungsmethoden für diese Walnuss-Fruchtwälder. Dabei sollen gleichzeitig Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und der Erhalt der Biodiversität berücksichtigt werden.

Für die Feldforschung wurde ein Netzwerk von 34 Probeflächen installiert, welches nur mit staatlichen Sondergenehmigungen möglich war. Auf den Flächen wurden verschiedene forstliche Eingriffe mit Waldbau- und Agroforstwirtschaftszielen durchgeführt, welche mit geobotanischen, pathologischen und ornithologischen Aufnahmen ergänzt wurden. Es hat sich dabei ein umfangreiches Datenmaterial angesammelt, welches teilweise projektbegleitend analysiert wurde. Dadurch war es möglich, bereits seit dem Jahr 2002 Ausbildungsseminaren für die an der Waldbewirtschaftung beteiligten Akteure inklusive der lokalen Bevölkerung durchzuführen (Foto 1).

 

                      Seminar zum Thema Agroforstwirtschaft in Kaba im Juli 2006
                      Foto 1: Seminar zum Thema Agroforstwirtschaft in Kaba im Juli 2006

Diese Seminare bestätigten sich als ein wertvolles Werkzeug für die laufenden Forschungsarbeiten des Projektes. Sie boten einerseits, die erste Reflexionsmöglichkeiten zu den Ergebnissen von Seiten der lokalen Waldbewirtschaftern und anderseits konnte das lokal vorhandene Wissen der jeweiligen Seminarteilnehmer regeneriert werden, um dies wiederum in die aktuelle Untersuchung einfliessen zu lassen und somit eine praxisnahe Forschung sicher zu stellen.

Um unter den beschriebenen Bedingungen die Entwicklung multifunktionaler Bewirtschaftungsmethoden für die Walnuss-Fruchtwälder zu erreichen, sind im ORECH-LES Forscher verschiedener Disziplinen, Fachleute der Forstverwaltung, Vertreter der betroffenen Gemeinden, private Bauern und Studenten aus Kirgistan und die „Groupe de foresterie pour le développement“ (GFD) der ETH Zürich, sowie Studierende der Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich als Praktikantinnen und Praktikanten integriert. Als Herausforderung dabei kann die interdisziplinäre Zielstellung von Waldbau (vor allem Verjüngungsprobleme), Bedürfnisbefriedigung der lokalen Bevölkerung und dem gleichzeitigem Erhalt der Biodiversität angesehen werden, aber vor allem die praktische Umsetzung unter den derzeitig gültigen gesetzlichen Beschränkungen.

Resultate: Wissensvermittlung in Seminaren
Heute verfügt ORECH-LES über theoretische Grundlagen und praktische Ergebnisse, von der Auswahl der geeigneten Walnuss-Formen als Samen, über notwendige Pflegeeingriffe in verschiedenen Altersklassen für verschiedene Zielstellungen (Holz, Frucht, Heu) bis hin zu der Bedeutung alter Walnussbäume zur Brennholzgewinnung und/oder zum Erhalt von Lebensräumen gefährdeter Wildtierarten. Es liegt eine Übersicht zu der Bedeutung der praktizierten Agroforstsysteme in diesen Wäldern vor, welche die vielseitige Multifunktionalität dieser Wälder aufzeigt. In den bisher 21 durchgeführten Seminaren wurden den insgesamt knapp 300 Teilnehmern Theoretisches und Praktisches zu diesen Ergebnissen vermittelt, wobei jeweils auch Ausbildungsmaterialien zur Verfügung gestellt wurden.

F) Praktische Umsetzung der Forschungsergebnisse
Unsere Resultate zeigen, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung der Walnuss-Fruchtwälder  unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und dem gleichzeitigen Erhalt der Biodiversität möglich ist. Die praktische Umsetzung der Ergebnisse stösst jedoch auf gesetzlich gesetzte Grenzen in Kirgistan, welche insbesondere die Förderungs- und Pflegeeingriffe von Walnussbäumen untersagt. Die Teilnehmer der Seminare zeigten ein starkes Interesse an den Konzepten einer nachhaltigen Bewirtschaftung und somit an der Arbeit des Projektes. ORECH-LES verfügt mit den angelegten Probeflächen über hervorragende Beispielflächen verschiedener Bewirtschaftungskonzepte in den Walnuss-Fruchtwäldern, die mehr als manches theoretische Wort ausdrücken können. Gleichzeitig zeigen diese aber auch deutlich den dringend notwendigen Handlungsbedarf auf, um dieses Ökosystem langfristig zu erhalten. In den verbleibenden zwei Projektjahren wird deshalb mittels Überzeugungsarbeit durch die Beispielflächen und der fortschreitenden Datenauswertung in Seminaren, Publikationen und durch Ausbildung versucht, ein Umdenken für die nächste Gesetzesnovelle zu erreichen. Unterstützt werden soll dieses Ziel durch eine breite internationale Aufmerksamkeit an den Walnuss-Fruchtwäldern, welche durch das vom ORECH-LES organisierte internationale Walnussseminar im Jahre 2010 erreicht werden soll.

 

Key-messages

  • Das für die ansässige Bevölkerung lebenswichtige Ökosystem „Walnuss-Fruchtwald“ ist weiterhin gefährdet
  • Forschung und deren Erfolg muss im gegebenen politischen Rahmen des EL/TL  erfolgen
  • waldbauliche Forschung braucht Zeit

Involvierte Partnerinstitutionen
Die kirgisisch-schweizerische Forschungspartnerschaft ist durch einen intensiven gegenseitigen Wissenstransfer der beteiligten Forscher gekennzeichnet ist. Dies gilt bei der Projektorganisation und -umsetzung, sowie bei der Verbreitung der Resultate auf nationaler und internationaler Ebene. Die anstehenden Forschungsarbeiten werden gemeinsam koordiniert und die Probeflächen werden jährlich besucht, um deren weitere Behandlung festzulegen.

 

Projektverantwortlicher Schweiz/Co-Autor

Name, Vorname:                                       Sorg, Jean-Pierre

Adresse:                                                   Department of Environmental Sciences
                                                                Institute of Terrestrial Ecosystems
                                                                Groupe de foresterie pour le développement
                                                                ETH-Zürich, CHN F 75.2
                                                                Universitätstrasse 22
                                                                CH - 8092 Zürich

Projektverantwortlicher Kirgistan

Name, Vorname                                        Venglovsky, Bronislav Ivanovitch

Adresse:                                                   Institute for Forest and Walnut Research    
                                                                National Academy of Sciences
                                                                Section of Silviculture
                                                                Karagachevaya Roscha 15
                                                                KG - Bishkek 720’015

Internet: http://www.fordev.ethz.ch/research/active/orechless/index