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Malaria in Abidjan
Andrea Grolimund, Stefanie Granado und Barbara Matthys, NFS Nord-Süd, Schweizerisches Tropeninstitut Basel
Im Rahmen einer Forschungspartnerschaft zwischen dem Schweizerischen Tropeninstitut und dem Centre Suisse de Recherches Scientifiques en Côte d’Ivoire haben fünf junge ForscherInnen die Krankheit Malaria im urbanen Kontext einer westafrikanischen Grosstadt untersucht. Das Projekt zeigt auf, dass die Erforschung von Malaria eine Kombination verschiedener Perspektiven beinhalten muss, wobei zudem eine intersektorielle Zusammenarbeit bei der späteren Bekämpfung das Ziel sein sollte. Die Forschung beeindruckte auch die Jury des "Prix CSRS – Lombard Odier Darier Hentsch pour la recherche scientifique en partenariat", welche das Team 2007 für die gemeinsame Arbeit auszeichnete.
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist dem Risiko ausgesetzt, an Malaria zu erkranken. Über eine Million Menschen – vor allem Kinder – sterben jährlich an der gefährlichen Tropenkrankheit. Die ökonomische und soziale Last wird vor allem von den Ärmsten der Welt getragen.
Das Forschungsprojekt
Im Kontext des NCCR North-South haben die fünf Forscher und Forscherinnen mit Hilfe epidemiologischer, ethnologischer und ökonomischer Methoden diese transdisziplinäre Forschung zwischen 2003 und 2007 durchgeführt. Das Projekt versucht die Verbreitung von Malaria zu verstehen, insbesondere was diese Krankheit für die Bewohner der Grossstadt Abidjan bedeutet und wie sie damit umgehen, wie spezifische Faktoren und Verhalten im städtischen Umfeld eine Malariaerkrankung beeinflussen können, und wie die Krankheit bekämpft werden kann.
Das Projekt wurde im Stadtbezirk Yopougon in Abidjan realisiert. Dieser Stadtteil ist geprägt von der in den 1970er Jahren einsetzenden rasanten Urbanisierung und wird heute von rund einer Million Menschen aus den verschiedensten Regionen des Landes bewohnt.

Fig. 1 Kombination der verschiedenen Perspektiven zu einer interdisziplinären Erforschung von Malaria
Erzielte Resultate
Anhand epidemiologischer Methoden konnte die äusserst heterogene Ausbreitung der Malariamücke sowie ein präzises Bild der Zusammenhänge zwischen spezifischen städtischen landwirtschaftlichen Landnutzungsmustern, landwirtschaftlichen Praktiken und Malaria aufgezeigt werden. Durch bestimmte Bewässerungspraktiken, wie zum Beispiel Bewässerungsbrunnen oder mit Wasser gefüllte Furchen zwischen Gemüsebeeten, kann die Entstehung neuer Brutstätten der Anopheles Mücke, der Überträgerin des Malaria-Erregers, gefördert werden.
Die ethnologische Sicht der Studie stellte fest, dass der medizinische Begriff für Malaria (im Französischen „paludisme“) Eingang in die lokale Krankheitsterminologie gefunden hat. Der daraus abgeleitete Ausdruck palu dient zur Beschreibung eines breiten Spektrums an körperlichen Beschwerden, wie Fieber, Müdigkeit oder Durchfall. Die BewohnerInnen sehen nicht nur den von der Mücke übertragenen Parasiten als Ursache von palu. Der Begriff palu wird verwendet, um ein Unwohlsein auszudrücken, welches aus einer generellen Verletzlichkeit in diesem städtischen Umfeld herrührt. Malaria wird demnach von den BewohnerInnen mit Ursachen und Symptomen in Verbindung gebracht, die nicht für die biomedizinisch diagnostizierbare Malaria stehen. Die Bedeutungserweiterung und Umdeutung betrifft auch die Vielfalt der Behandlungsmöglichkeiten.
Der ökonomische Ansatz der Studie befasste sich mit der finanziellen Last einer Malariaerkrankung. Durch die anfallenden Kosten einer Behandlung einerseits und den Verlust an Einkommen durch einen Arbeitsausfall andererseits, konnte hier eine starke ökonomische Verletzlichkeit bezüglich Malaria beobachtet werden. Die direkten Kosten einer Malaria können somit 12 bis 14% des Haushaltseinkommens ausmachen. Gerade auch die Überbehandlung ist mit erheblichen Mehrkosten verbunden.
Fig. 2 - Foto: Marktstand im Slum Doukouré, an dem gleichzeitig westliche Pharmazeutika und lokale Kräutermedizin gegen Malaria verkauft werden. (2003, Stefanie Granado
Anwendung und Umsetzung
Eine Abnahme der Malariaerkrankungen im städtischen Umfeld kann einerseits durch die Bekämpfung der Anopheles Mücke erreicht werden. Der städtischen Landwirtschaft kann dabei eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung und Kontrolle dieser Krankheit zukommen, sie sollte deshalb in interdisziplinäre Bekämpfungsprojekte eingebunden werden. Ein erstes Folgeprojekt konnte im Sinne der angewandten Forschung bereits Moskitonetze in die untersuchten Quartiere verteilen. Zudem wurden umwelttechnische Strategien entwickelt, die es der Bevölkerung erlauben, der Krankheit vorzubeugen. So will zum Beispiel das zweite eingereichte resultierende Projekt das offene Abwassersystem der Gemeinde trockenlegen. Ein weiteres Folgeprojekt möchte lokal angepasste Methoden zur Kontrolle der Anopheles Mückenlarven entwickeln, welche in einem Workshop entwickelt werden, an dem sich unter anderem das nationale Malaria Kontroll-Programm, das Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium, Gemüsebauern und die traditionellen Verwaltung beteiligen.
Die Studie betont außerdem die Notwendigkeit der Entwicklung effizienterer Methoden zur Diagnose einer Malaria. Für eine adäquate Behandlung, muss eine Verbesserung der Qualität des medizinischen Zugangs erreicht werden. Hierbei ist an eine fundierte Ausbildung des medizinischen Personals sowie an eine klare Kennzeichnung der Medikamente zu denken. Wie erste Folgeprojekte zeigen, lassen sich die Forschungsresultate direkt in Entwicklungsprojekte umsetzen und so die Last einer Malariaerkrankung oder auch die dazugehörende ökonomische Bürde herabzusetzen.
Key-messages
- Bei der Erforschung der Krankheit Malaria müssen ökonomische, ökologische, medizinische und soziale Faktoren gleichzeitig beachtet werden. Nur so ist es möglich, nachhaltige Lösungen aufzuzeigen, welche das Zusammenspiel dieser Faktoren adressieren.
- Durch einen verbesserten Zugang zu einer wirkungsvollen Diagnostik, verlässlichere Statistiken im Gesundheitswesen sowie durch eine angemessene Qualität der Behandlung in Kombination mit einer strengeren Reglementierung und Kontrolle des Medikamentenflusses kann die Verwundbarkeit des Einzelnen herabgesetzt werden.
- Bei der Bekämpfung von Malaria sollte der Ansatz einer intersektoriellen Zusammenarbeit angestrebt werden, welche zusätzlich zum Gesundheitssektor noch andere Bereiche wie zum Beispiel den Umwelt- und Landwirtschaftsbereich einschliesst, und es sollten Akteure auf allen Ebenen, d.h. von Gemeinschafts- bis zur Staatsebene, eingebunden werden.
Involvierte Partner
Fünf Forscherinnen und Forscher waren in dieser Forschungspartnerschaft involviert
Atioumouna Blaise Koné und Alain Serge Kouadio aus der Côte d'Ivoire (CSRS)
Stefanie Granado, Brigit Obrist und Barbara Matthys aus der Schweiz (STI)
Schweizerisches Tropeninstitut (STI)
Das Schweizerische Tropeninstitut ist eine weltweit anerkannte Institution, die der Internationalen Gesundheit verpflichtet ist. Das STI betreibt mit seinem interdisziplinären Ansatz Lehre, Forschung und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Internationalen Gesundheit. Ziel des STI ist es, national und international zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung beizutragen.
http://www.sti.ch
Centre Suisse de Recherches Scientifiques en Côte d’Ivoire (CSRS)
Das CSRS wurde 1951 durch die SCNAT, die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften gegründet. Das CSRS setzt sich ein für Forschungspartnerschaften, zwischen Nord und Süd. Die Forschungsprojekte werden anhand nationaler und regionaler Prioritäten ausgesucht, um so einen nützlichen Beitrag an die Entwicklung der Côte d'Ivoire und Westafrikas zu leisten.
http://www.csrs.ch/
National Centre of Competence in Research (NCCR) North South
Seit 2001 hat sich der nationale Forschungsschwerpunkt NCCR North South zum Ziel gesetzt, Folgen des globalen Wandels zu lindern. Das weltweite interdisziplinäre Netzwerk aus Nord-Süd-Forschungspartnerschaften wird durch den Nationalfonds und die DEZA zu gleichen Teilen getragen.
http://www.north-south.unibe.ch
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