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KFPE


 
Leitfaden für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern 

11 Prinzipien

Schweizerische Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern, KFPE, 1998 


Sie können die 11 Prinzipien herunterladen als
.pdf (Grösse 80 KB) oder
.rtf - Dokument (Grösse 180 KB).

Untenstehend finden Sie das Inhaltsverzeichnis und das Vorwort.


Inhaltsverzeichnis

«Kurswechsel» - auch in der Forschung!
Weshalb ein Wechsel?
Wohin steuert der neue Kurs?

Dank

Einführung
Grundsätzliches
Zum Inhalt

Die 11 Prinzipien der Forschungspartnerschaft
1. Forschungsgegenstand gemeinsam festlegen
2. Vertrauen aufbauen
3. Informieren und vernetzen
4. Verantwortung teilen
5. Transparenz schaffen
6. Zusammenarbeit fortlaufend erfassen
7. Ergebnisse bekanntmachen
8. Ergebnisse umsetzen
9. Gewinne gerecht teilen
10. Forschungskapazitäten fördern
11. Erreichtes sichern

Anhang

1. Fallbeispiele
1.1.  Prosopis-Projekt in Peru
1.2.  Meningitis-Projekt in Nord-Ghana
1.3. Lake Victoria-Projekt: Umsetzung einer lokalen Agenda 21
2. Häufige Hindernisse und Schwierigkeiten bei Forschungspartnerschaften zwischen IL & EL
3.  The Charter of North-South Partners

Nachwort

Verwendete Abkürzungen


«Kurswechsel»1  auch in der Forschung !
(anstelle eines Vorworts)

Weshalb ein Wechsel?
Seit Jahrzehnten warnen Wissenschafter vor den Folgen der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung, der Zerstörung der Umwelt und den fortschreitenden Klimaveränderungen. Sollten sie recht behalten, müsste menschliches Leben unter einigermaßen zivilisierten Bedingungen in absehbarer Zukunft ernsthaft gefährdet sein2. Zur Lösung der anstehenden Probleme kann und muß wissenschaftliche Forschung Wesentliches beitragen. Entscheidendes ausrichten kann sie allerdings nur unter zwei Voraussetzungen. Zum ersten muß das weltweite Forschungspotential geographisch gleichmäßiger verteilt sein. Zum zweiten muß das Zusammenwirken von Forschung, Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft gegeben sein.
Es entspricht daher dem Gebot der Solidarität wie auch demjenigen der Vernunft, die Forschungskapazitäten der «Entwicklungsländer» (EL) so zu fördern, dass eine  weltumspannende wissenschaftliche Zusammenarbeit jener Art möglich wird, wie sie unter Industrieländern (IL) seit längerem üblich ist. Mit «Zusammenarbeit» ist hier nicht die zumeist angestrebte wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gemeint, sondern ein verantwortungsbewußtes gemeinschaftliches Suchen nach Lösungen für die erwähnten Probleme. Gefragt ist nicht länger Konkurrenz, sondern Komplementarität und Synergie.
Es scheint sich dieser Gedanke zur Zeit in einzelnen IL allmählich durchzusetzen3,4,  (vgl. ferner Anhang 3). Ähnliches gilt für EL. Die Tätigkeit der Third World Academy of Sciences zeugt davon5. 1983 gegründet, umfaßt sie heute Vertreterinnen und Vertreter aus über 70 EL und ist zum vielleicht bedeutendsten Forum der Wissenschaften der Dritten Welt geworden. Tragender Gedanke ist der Wunsch, den Wissenschaften und der Forschung in den EL zum Durchbruch zu verhelfen, ihnen die angemessene Bedeutung zukommen und sie eigenständig werden zu lassen.
Diese Absicht kann nur begrüßt werden und verdient volle Unterstützung. Sie beinhaltet allerdings möglicherweise die Gefahr einer erneuten Polarisation der Forschung in Süd und Nord, was der Idee einer einen weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft6 auf die Dauer abträglich sein müßte. Die Absicht wird ferner von der Unterschiedlichkeit der EL erschwert. Streng genommen ist diese Kategorisierung nicht länger haltbar7. Die Unterschiede zwischen «least developed» und «newly industrialized, emerging countries» sind in mancher Hinsicht größer als jene  zwischen den letztgenannten und IL. Wenn der Ausdruck «EL» in der vorliegenden Schrift gleichwohl verwendet wird, so geschieht dies primär darum, weil sich der Begriff namentlich im angelsächsischen Sprachraum fest eingebürgert hat - aber im Wissen darum, dass partnerschaftliche Zusammenarbeit von Fall zu Fall anders anzupacken sein wird.

Wohin steuert der neue Kurs?
Als einen möglichen Weg zur Verringerung des  Ungleichgewichts der Forschung in IL und EL schlägt die «Schweizerische Strategie zur Förderung der Forschung in Entwicklungsländern»8 Forschungspartnerschaften vor. Diese zeichnen sich im wesentlichen aus durch Forschung an Problemen beidseitigen Interesses, in langfristiger, transdisziplinärer Zusammenarbeit, möglichst paritätisch zusammengesetzter Forschungsgruppen, begleitet von andauernder Weiterbildung aller Beteiligten9. Das bedeutet eine deutliche Abkehr von bisherigen Gepflogenheiten. Forschungszusammenarbeit mit EL erfolgte, und erfolgt heute noch schweizerischerseits eher punktuell. Das Augenmerk gilt in erster Linie den Ergebnissen der Forschung an sich, weit weniger ihren Methoden und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Partnerlandes und ebenso wenig dem Aufbau und der Festigung seines Forschungspotentials. Ausnahmen liegen allerdings und erfreulicherweise vor10,11,12. Sie zeigen, dass Forschungspartnerschaften in der Tat möglich sind und einen dauerhaften Beitrag an die Steigerung des Forschungspotentials des Partners zu leisten vermögen13.
Die Arbeit in Forschungspartnerschaft stellt an alle Beteiligten hohe, ungewohnte Anforderungen. Unvoreingenommenheit, Bescheidenheit und das Anerkennen anderer Wertmaßstäbe zählen unter anderen dazu und bilden die Voraussetzung zum interkulturellen Brückenschlag. Im bisher Ungewohnten liegt die Veranlassung zum Verfassen des vorliegenden Leitfadens. Er richtet sich vorab an Gesuchstellende partnerschaftlicher Forschungsvorhaben sowie an staatliche und private Geldgeber; er ist somit in erster Linie auf die Bedürfnisse der (schweizerischen) Forschergemeinschaft ausgerichtet. Er soll aber auch potentiellen Partnern in EL beim Planen von Forschungspartnerschaften dienlich und außerdem den Evaluatoren von Forschungsunternehmen ein nützliches Hilfsmittel sein.
Es wurde bereits angetönt, dass die internationale Forschungsgemeinschaft gegenwärtig einen anspruchsvollen Lernprozess durchläuft. Davon zeugen auch viele Konferenzen im In- und Ausland sowie zahlreiche Schriften aus IL wie aus EL (vgl. auch das Nachwort). Die Einsicht wächst, dass ihre Ergebnisse als die bisherig einzigen Kriterien zur  Beurteilung der Forschung nicht mehr ausreichen.  In noch zu definierender Weise werden inskünftig die Wechselwirkungen der Forschenden mit der Öffentlichkeit, der Forschung mit dem Alltag beizuziehen sein. Der vorliegende Leitfaden soll weiterer Ausdruck sein für den festen Willen eines wachsenden Teils der schweizerischen Forschungs- und forschungspolitischen Gemeinschaft, ihren spezifischen Beitrag an den Aufbau und die Festigung der Forschungskapazitäten der heutigen EL, und damit an eine nachhaltige allgemeine Entwicklung, zu leisten.