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KFPE


Programme de bourses "Echanges Universitaires"

Ethnologische Forschungen und institutionelle Zusammenarbeit in Zentralasien

Im Juni 2010 führte das Ethnologische Seminar der Universität Zürich eine Lehrforschung nach Zentralasien (Kasachstan und Kirgistan) durch. Die Exkursionsgruppe bestand aus acht Lizentiat-, Master- und Bachelorstudent/innen und wurde von Professor Peter Finke (Organisator) und Co-Organisatorin Baktygul Karimova geleitet. Die vorgeplante Region der Forschungsexkursion war der Süden Kirgistans. Wegen den dortigen Unruhen im Süden musste sich die Gruppe kurzfristig für einen anderen Ort entscheiden. Die Masterstudentinnen Adrienne Talaber und Corinne Boillat konnten ihre Forschungen in Kasachstan und Lizenziat-Studentin Irene Bühlmann im Südosten Kirgisistans durchführen. Dieser Teil der Exkursion wurde durch eine finanzielle Unterstützung der KFPE ermöglicht.

Adrienne Talaber untersuchte in einer Fallstudie ein Dorf in Kasachstan in einer Region, die sich stark im Aufschwung befindet. Es ging darum, die Lage der Einwohner und ihrer Haushalte darzustellen sowie die Wahrnehmung der Bevölkerung anhand der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Situation zu erfassen und aufzuzeigen, was dies alles für einen Einfluss auf ihre Haushaltsstrategien hat. Die Hauptforschungsfrage „Welches sind die Einkommensmöglichkeiten und Alltagsbewältigungsstrategien der Menschen“ führte zu interessanten Ergebnissen, die oft im Kontrast stehen zu früheren Forschungen, die meist die Bewältigung der Transformation zum Thema haben. Der Aufschwung ist sehr offensichtlich, es wird viel investiert, die Aufbruchstimmung ist förmlich zu spüren. Landwirtschaft wird durch Landvergabe und günstige Kredite gefördert, es gibt viel Arbeit, grosse Flächen am Rande des Dorfes sind für Oralman (Rücksiedler) reserviert, für die auch Häuser gebaut werden. Die Mitglieder der Haushalte arbeiten meist alle, jede Möglichkeit, Einkommen zu generieren, wird genutzt. Die Nähe des Dorfes zur Stadt Taldykorgan fördert die Möglichkeiten zur Einkommensdiversifizierung. Die Leute tätigen Investitionen oder sparen für zukünftige Investitionen, die meisten sehen sehr positiv und hoffnungsvoll in die Zukunft.

Ziel der Forschung von Corinne Boillat war es, mehr über die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern in einem ländlichen Haushalt in Kirgistan, wegen den Unruhen in Kirgistan, entsprechend in Kasachstan, herauszufinden. Eine Arbeitsteilung nach Geschlechtern ist in Kasachstan sichtbar. So werden Arbeiten im Haus (waschen, kochen, Kinder betreuen) vornehmlich von Frauen erledigt, jene ausserhalb des Hauses (Tiere füttern, Wasser holen) von Männern. Diese geschlechtliche Arbeitsteilung ist den Leuten vor Ort durchaus bewusst, sie wird jedoch im Alltag flexibel gehandhabt und es kommt durchaus vor, dass ein Mann seiner Frau zum Beispiel beim Kochen hilft. Ausserdem ist die Arbeitsteilung je nach Familie unterschiedlich. Es gibt Familien, wo der Mann kaum etwas im Haushalt beiträgt und andere, die recht viel helfen. Dies alles ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass in Kasachstan fast alle Erwachsenen einer bezahlten Arbeit ausserhalb des Hauses nachgehen.

Irene Bühlmann forschte über die Heilpflanzennutzung bei Nomaden im Südosten Kirgistans. Sie fand, dass der Einfluss der Sowjetunion sich stark auf diese Nutzungen ausgewirkt hat. Viele Pflanzenkenntnisse sind heute begrenzt oder ganz in Vergessenheit geraten. Es waren vorwiegend ältere Leute, die sich noch mit den Pflanzen auskannten und diese nutzten. Gleichzeitig erfuhr Irene einen neuen Trend zur Heilpflanzennutzung, den sie aber als Folge der hohen Kosten der Schulmedizin und dem Misstrauen gegenüber dem Hersteller China deutet.

Die Co-Organisatorin Baktygul Karimova hat sich während ihres Aufenthalts auf die Austauschbeziehungen in kirgisischen Familien konzentriert. Sie konnte dabei beobachten, dass die Kirgisen durch die Konsequenzen der Migration gezwungen werden die Struktur des klassischen Familienmodels zu ändern. Dies betrifft etwa die Rolle des jüngsten Sohns, der traditionell für die Sorge um die eigenen Eltern im Alter zuständig ist. Dies wird nun den konkreten Arbeits- und Lebenssituationen angepasst. Durch die Migration ergeben sich für die zurückbleibenden Kinder erhebliche Mehrbelastungen, die im Gegenzug finanzielle Unterstützung erhalten. Solche gegenseitigen Unterstützungen und Austauschbeziehungen in den Familien sind je nach Situation unterschiedlich. Karimovas Meinung nach sollten solche Beziehungen und das daraus resultierende Handeln noch erforscht werden.

Die Forschungsergebnisse von Adrienne Talaber, Corinne Boillat und Irene Bühlmann werden noch ausgewertet und als Master- und Lizenziatsarbeit im Frühlingssemester 2012 bei der Ethnologischen Fakultät der Universität Zürich eingereicht. Das weitere Interesse des Instituts lag bei der Kooperation zwischen dem Ethnologischen Seminar der Universität Zürich und der zentralasiatischen Ethnologischen Fakultäten. Heute arbeitet das Ethnologische Institut der Universität Zürich mit dem Institut für Geschichte der kasachischen staatlichen Universität Zhetisu in Taldykorgan und dem Institut für Ethnologie der kirgisischen staatlichen Universität Arabaeva in Bishkek zusammen. Der Austausch zwischen den erwähnten Instituten ist ein Hauptinteresse des Lehrstuhls von Professor Peter Finke.

Schweiz:

Kontaktperson:
Prof. Dr. Peter Finke
Universität Zürich
Ethnologisches Seminar
Andreasstrasse 15
8050 Zürich
Tel. +41 044 635 22 33
Fax +41 044 635 22 19
e-mail: peter.finke@uzh.ch
http://www.ethno.uzh.ch

 

Partnerinstitutionen

Kirgistan:

Kontaktperson:
Frau Dr. Alymkulova Synaru
Head of Social Anthropology DepartmentInstitute of History, Social and Law Education
Kyrgyz State Arabaev University Bishkek, Kyrgyzstan
phone:      +996 555 60 27 01 mobile
                 +996 312 66 39 81 office
fax:           +996 312 66 05 88
e-mail: kadyrkyzy@rambler.ru  
http://kyrgyzeducation.blogspot.com

Kasachstan:

Kontaktperson:
Frau Dr. Nazgul Baigabatova
Zhetysu State University named after I.Zhansugurov
Department of History
Zhansugurov str. 187a,
Taldykorgan, Kazakhstan
phone  +7 (7282) 220020, 220437
fax       +7 (7282) 222194
e-mail: nazgul.baigabatova@gmail.com
http://zhgu.edu.kz/